|
Märchen und Geschichten |
|
gebunden,
DINA4, 15 EUR zuzügl. Porto/Verpackung
momentan 20 Geschichten, es können neue dazu kommen. aus
dem Inhalt: |
Leseprobe:
Der Erddrache
Erddrachen bekam man schon immer selten zu Gesicht, denn, wie der Name schon verrät, leben sie in der Erde. Sie stammen entwicklungsgeschichtlich von den Feuerdrachen ab, die vorzugsweise Höhlen bewohnten, wenn sie denn genügend grosse fanden. Das speien von Feuer hat sich zurück entwickelt, weil das im selbst gebuddelten, meist engen, Bau doch recht hinderlich ist. Nur allzu leicht steigt die Temperatur über ein erträgliches Mass und Artgenossen wie Nachkommen wären akut gefährdet gewesen, ganz besonders bei Schluckauf und Rülpsen. Es gibt Überreste dieser Entwicklung, manche Drachen haben einen heissen, wenn auch nicht leuchtenden, Atem oder ihnen entwischt beim Rülpsen eine kleine Feuerkugel, die in der Luft rasch zergeht. Ihre Flügel haben sich zurück entwickelt, da sie in Höhlen eher hinderlich sind, dafür haben sie aber gut ausgebildete Grabkrallen.
Erddrachen leben gern zusammen mit Erdbären, die ja auch ihre Gänge unter Tage bauen. Wird ein Bau eines Erdbären verlassen, siedelt auch gern mal ein Drache drin und umgekehrt.
Günter, der Erddrache, hatte Probleme. Er hatte diese alte Erdbärenhöhle gefunden und brauchte sie nur ein wenig zu erweitern. So weit wäre ja alles gut gewesen. Aber der Vormieter war eine Sau, oder besser, wie der Bayer sagt, ein Saubär. Der hatte nämlich eine Ecke gebuddelt, die er als Klo verwendet hat, und das stank entsprechend. Dazu kam, dass das Erdfliegen angelockt hatte, die jetzt überall in der Höhle waren. Doch Günter war zu faul, eine neue Höhle zu graben. Zunächst schüttete er mal das Bärenklo zu, unter Verwendung des Aushubs für einen schönen, grossen Wohnraum.
So langsam lebte er sich ein. Er war ein junger Drache, der gerade sein Zuhause verlassen hatte um selbstständig zu werden. Damit ihn seine Eltern nicht ständig auf der Pelle hingen (was sie gern taten), ist er einen weiten Weg gegangen bis er diesen Erdbärbau fand. Er war froh, endlich sein eignes Leben eröffnen zu können.
Nebenan wohnten ein paar Erdbären. Er stellte sich ihnen als neuer Nachbar vor. Sie konnten ihn auch das mit dem Klo in der Höhle erklären. Es war ein alter Bär, der es wegen Rheuma nicht mehr rechtzeitig nach draussen geschafft hatte. Er war vor noch nicht all zu langer Zeit an Alterschwäche gestorben.
Günter freundete sich schnell mit seinen Nachbarn an. Die waren ganz lustig drauf. Sie hatten ihre Bauten mit Gängen untereinander verbunden, damit sie sich schnell besuchen konnten. Sie und Günter hatten alle viel Spass miteinander. Sie hiessen Norbärt, Herbärt, Bärtram, Bärbel, Bärnhardine und Barbära. Sie erzählten auch gern von ihren Bekannten, den Blaubär, der immer besoffen war, weil er so gern vergorene Früchte ass, Hubärt (oder auch kurz Hubi), der fliegen konnte, denn er war ein HubschrauBär, der überaus nette Waldemar, der Liebhabär, und Bärthold, der Angebär. Dann gab es noch den Bären, der immer so viel brummte, das war der Brombär, der Bär aus der Lüneburger Heide, der Heidelbär, und der Bär aus Exotien, der Colabär.
Heute kam Besuch. Es war ein Bär, der hatte so ein Sportgerät bei sich, das man mit den Armen auseinander zieht. Er stellte sich vor: "ich bin der ExPandaBär." Eigentlich war er nicht wirklich ein Besuch, er wollte seine Sportgeräte verkaufen. Aber er liess sich zu einen T überreden. Norbärt machte einen T aus Blättern, die der Brombär mal mitgebracht hatte, das nannten sie den Brombärblättertee. Der Besuch erzählte, er sei eingewandert, er war früher mal ein Panda gewesen, deswegen ja auch sein Name ExPanda. Wo er her kommt, gibt es viel Bambus. Aber er würde ungern in Höhlen wohnen, dort ist es immer so düster. Er wunderte sich über Günter, weil der gar nicht so bärig aussah. Als Günter sich vorstellte, sagte er: "Ach, ey, ein Drache?!"
So lebte Günter fröhlich mit den Bären. Aber wie das in so Märchen ist, auch er muss irgend wann mal zum Mann werden. Die Bären hatten ihre Frauen, aber er war immer noch Single. Das lag daran, dass es in dieser Region wenig Drachen gab. Aber wie hätte er sie auch finden sollen, wenn er nicht danach gräbt? Schliesslich war er Erddrache!
So sagte er eines
Tages zur Frühstückszeit bei Ei und Müsli zu seinen Freunden:
"heute ist der Tag, wo ich anfangen muss, das zu tun, was ein Mann eben
tun muss."
"Und das wäre?" fragten seine Freunde.
"Mich durch die Erde graben und eine Drächin finden. Ich werde viele
Abendteuer, Morgenteuer; Abendbillig und Morgenpreiswert bestehen müssen!
Vielleicht sogar Vater Morgana, Mutter Abenda und Kinda Mittaga treffen!"
Eine Weile herrschte Stille in der Runde. Nur eine kleine Blähung war
zu hören. Dann durchbrach Herbärt die Stille: "ja, muss das
ausgerechnet jetzt sein?"
Was wird Günter erleben? Wird er seine Frau finden? Was hat die Hexe damit zu tun? Gibt es Zwerge, und wenn nein, warum nicht? Werden die Bärenfreunde Günter jemals wieder sehen? Diese und viele andere Fragen werden im Buch beantwortet.